Intuitiv abnehmen Review

Intuitiv abnehmen Buchrezension

Intuitiv essen, wollen wir das nicht alle? Ich war nie ein intuitiver Esser. Mit 13 Jahren haben mir diverse Diäten dazu verholfen ein intuitiver Fresser zu werden. Dann bin ich im letzten Jahr auf die vegane High Carb Ernährung gestoßen und der intuitive Esser hat wieder die Oberhand gewonnen. Was habe ich gelernt in den letzten anderthalb Jahren? Niemals die Kohlenhydrate kürzen, dann ist es aus mit dem intuitiven Esser.

Auch die Autorinnen des Buchs betonen mehrmals wie wichtig Kohlenhydrate für die natürliche Sättigung sind. Sie sind der Brennstoff Nummer eins für unseren Körper. Low Carb Diäten oder andere Hunger-Pläne helfen uns alles andere als intuitiv zu essen.

Mit intuitiv essen wird jeder auf Dauer überschüssige Kilos loswerden und schlank werden. Hiermit spreche ich für manche die Enttäuschung des Tages aus: du wirst damit nicht den Modelkörper des Jahres erlangen. Das Versprechen dir andere Diäten, aber nicht intuitiv essen. Wir vergleichen uns sehr gerne und in unseren Köpfen bedeutet es heutzutage auch als Frau schön sportlich auszusehen, aber dennoch ordentlich Hupen zu haben und einen knackigen Hintern. Mal abgesehen davon haben so gut wie alle Frauen, die sehr, sehr sportlich sind entweder kleine Hupen oder haben sich am Buffet das Silikon geschnappt. Was beides natürlich völlig in Ordnung ist. Nur was eben nicht auf natürlichem Wege so aussieht, wie es die Ideale vorschrieben. Es gibt natürlich Ausnahmen.
Und nun der Höhepunkt: Schlank werden mit intuitiv essen heißt nicht, dass wir alle gleich schlank werden. Jeder hat andere Gene. Person X kann vielleicht sehr dünn damit werden, Person Y ist schlank, aber hat dennoch etwas mehr drauf als Person X. Beim intuitiven essen geht es vielmehr darum ein natürliches Essverhalten zu gewinnen wie kleine Kinder es haben. Das verlernen sie jedoch im Laufe der Jahre z.B. durch Eltern, die Kinder zwingen zu bestimmten Zeiten zu essen und unbedingt den Teller leer zu essen, durch die Gesellschaft, die uns fast schon aufdrängt mindestens einmal im Leben irgendeine beknackte Diät absolviert zu haben.

Einer der wichtigsten Punkte nach in diesem Buch: die eigene Figur akzeptieren. Egal in welchem Kampfgewicht 😉 man sich befindet. Du findest dich hässlich oder bist ständig am nörgeln über deinen Körper wo noch etwas verbessern werden kann? Vergiss es, damit wird intuitiv essen auf Dauer nicht klappen. Denn mit diesen Gedanken ist automatisch die Ernährungspolizei (Begriff aus dem Buch) im Anmarsch. Die Ernährungspolizei sagt z.B. du hast zu viel gegessen, du siehst scheiße aus, du darfst ab 18 Uhr nichts mehr essen und bla bla bla. Damit könntest du wieder den Ringkampf eröffnet haben gegen dich selber. Das ist ein Kampf den du eh nie gewinnen wirst. Also ist die Selbstakzeptanz und Selbstliebe das A und O.

Meiner Meinung nach ist die Selbstakzeptanz nicht immer so einfach. Ich wusste schon immer, dass dieser Punkt der wichtigste ist. Doch als Mensch neige ich dazu mit mir selbst sehr streng ins Gericht zu fallen. Ich bin mein größter Kritiker. Ja, ich bin befreit von dem Diätwahn und habe keine Fressattacken mehr, aber Mr. „du bist nicht sportlich und dünn genug“ versucht es dennoch immer wieder.  Wir sind mit diesen ganzen Diättrends, verschiedenen Ernährungsmythen, Lügen und Körperkult aufgewachsen, dass es uns extrem schwer fällt das Bild X von uns loszulassen. Bild X von uns ist die personifizierte Perfektion von uns. Besser könnte man nicht aussehen. Lass los! Haben dir diese Gedanken und die ganzen Diäten auch nur auf irgendeine Weise geholfen wie Bild X auszusehen? Ich glaube die Frage kannst du sicherlich mit nein beantworten.

Dieser letzte Punkt bedeutet also Arbeit und Training. Auch das natürliche Hungergefühl muss erst antrainiert werden. Intuitiv essen bedeutet Übung. Es klappt nicht von heute auf morgen, aber wenn du all die Lügen in deinem Kopf loslässt, dann klappt es ganz sicher.

Ein weiterer Punkt, den ich wichtig finde und mich freue, dass die Autorinnen ihn erwähnen. Zu einem intuitiven Esser gehört auch dazu sich intuitiv zu bewegen. Ja, meine Damen und Herren auch das gehört zum Leben. Vor Hunderten von Jahren erledigten wir viele unserer Arbeiten mit unserem Körper. Das hieß für uns genug Bewegung am Tag. Heute sitzen wir die meiste Zeit auf unseren Hämorrhoiden, erledigen das Meiste auf elektronischem Wege und haben somit kaum Bewegung. Wir kommen also nicht drumherum uns zusätzlich zu bewegen. Es gibt natürlich Ausnahmen. Menschen mit anstrengend Jobs oder einem turbulenten Alltag.

Zieh dir das mal rein, im Jahr 2015 reden wir von intuitiv essen. Wir reden hier von einem Ding was uns eigentlich angeboren wurde, was jedoch unnatürlich durch unsere Bilder vom perfekten Menschenbild zerstört wird. Danke an Photoshop, die Medien und all die anderen gehirnpürierten Sendungen. Pubertierende haben heutzutage die besten Vorbilder. Wir werden zu Terminatoren uns selbst gegenüber schon ganz früh in Ausbildung geschickt.

Das Buch hat mich einfach nochmals daran erinnert wie wichtig es ist im Herzen ein intuitiver Esser zu sein. Sind wir doch mal ehrlich, raubt es nicht unnötig viel Energie und Lebensqualität, wenn wir uns vor Essen fürchten? Durch die Hoffnung mit der nächsten Diät, Hungerkur, mehr Sport oder was auch immer möglicherweise dem eigenen Traum-Ich zu verhelfen vermag, überwerfen wir all das Wissen. Die Hoffnung lässt uns unmögliche Dinge tun. Die Hoffnung ist etwas ganz tolles, aber die Hoffnung auf diese Dinge zu legen ist wie hoffnungslos verliebt. Die Vorstellung mag möglicherweise romantisch klingen, aber mehr auch nicht. Du bist höchstens früher oder später ein hoffnungsloser Fall für die Klapse.

Du hast die Wahl: entweder du akzeptierst, dass du auf natürlichem Wege nicht unbedingt so aussehen wirst wie du es dir vorstellst oder du bist im ewigen Kampf gegen dich selbst. „Kampf den Kilos“ wirst du mit ins Grab nehmen.

Akzeptiert du dich wie du bist, akzeptierst du, dass Diäten dauerhaft nichts bringen. Sagst du ja zum intuitivem essen, dann kommt mehr Lebensqualität, wirst nebenbei ein paar Kilos oder bleibst schlank. Aber wie schon erwähnt, möglicherweise ein anderes Schlank als dir lieb ist.

Man sieht am Ende vielleicht nicht so aus wie man es in der Vergangenheit gerne hätte, aber man ist gesund und akzeptiert sich selbst. Das, meine lieben Freunde, ist das schwierigste meiner Meinung nach an dieser ganzen Geschichte. Wir haben jahrelang unsere negativen Gedanken uns selbst gegenüber mit falschem Schönheitsidealen gefüttert. Man kann deswegen nicht erwarten innerhalb ein paar Wochen ein intuitiver Esser werden. Es bedarf Zeit und Übung, aber es lohnt sich.

Mit einer Ernährung, die den Fokus auf Kohlenhydrate legt, habe ich automatisch mein natürliches Essverhalten erlangt. Was ich niemals geglaubt hätte. Allerdings hat es mit der Selbstakzeptanz hin und wieder gehapert. Das kann uns kein Essen nehmen, das müssen wir selber trainieren.

Kritik

Die Autorinnen empfehlen teilweise ein paar kuriose Dinge, wie z.B. auf Milch zu zurückzugreifen, falls es einem schwer fällt genug Flüssigkeit in Form von Wasser zu erlangen. Seriously? Ist das deren Ernst? Ich habe während des Lesen beim ein oder andere weggeschaut, aber das ist ja wohl die absolut älteste Klamotte der Geschichte. Also wer seinen Patienten empfiehlt Milch zu trinken, der hat etwas nicht mitbekommen als Enrährungsberater. Ich würde niemandem empfehlen Milch zu trinken und sie schon gar nicht als Flüssigkeit zählen. Sei es nun in einer veganen Ernährung oder  omnivoren Ernährung. Im Artikel „Milch entzieht dem Körper Kalzium“ erfährst du ein paar Gründe warum Milch nicht so gesund ist.

Das gibt es noch weiterer solcher kleiner Schnitzer, aber meines Erachtens verkraftbar. Ich will auch nicht alles auf die Goldwaage legen, denn der Kern des Buches insgesamt eine wirklich gute Sache.

Fazit

Ein wichtiger Punkt am Ende: intuitiv essen bedeutet dauerhaft gesund zu essen. „Spaßessen“ wie Schokolade und Chips sind nicht verboten, aber gehören zu den Ausnahmen. Auch bei einer kohlenhydratreichen Ernährung esse ich mal mehr Fett als sonst oder mal ein Stück Kuchen. Das macht Spaß und gehört zum Leben für mich dazu. Aber wer meint jeden Tag viel „Spaßessen“ essen zu können, der hat spätestens beim nächsten Hosenkauf keinen Spaß mehr.

Laut diesem Buch kannst du anfangs essen wonach dir ist, um die Freiheit fürs Essen zu gewinnen. Langfristig wird dein Körper jedoch zu mehr gesunden und nahrhaften Lebensmitteln greifen. Warum das so ist? Unser Körper weiß intuitiv was das beste für ihn ist;-)

Für den einen wird nicht viel Neues in dem Buch zu finden sein. In meiner Karriere als Diätopfer und Kind der Diäten-Generation, habe ich schon alles gehört und ausprobiert, so ist mir auch dieses Thema nichts Neues mehr. Der AHA-Moment blieb somit aus. Viele Dinge davon habe ich im letzten Jahr schon so auf eigene Faust erfahren und durch die vegane High Carb Ernährung automatisch gelernt. Dennoch finde ich das Buch gut und hatte keine Langeweile es zu lesen. Erstens, es ist nochmals eine Art Anleitung wie man das ganze intuitive essen angeht, zweitens hat man es schwarz auf weiß und man wird daran erinnert was man sowieso schon weiß, drittens, ebenfalls eine Erinnerung und zwar, dass es extrem vielen Menschen schwer fällt intuitiv zu essen, weil unsere Gesellschaft in Form von Medien, Zeitschriften, Schönheitsidealen uns geprägt hat mit Sätzen wie, Size Zero, Strong and fit is the new skinny, bla bla bla….leider war da nie dabei: 5 kg zu viel is the new geil.

Wem kann ich das Buch empfehlen?

Das Buch kann ich jedem empfehlen, der keine Lust mehr auf Dauerdiäten hat, der nicht den Anspruch hat wie ein Fitness-Model auszusehen, wer die eigene Figur nicht akzeptiert, wer sein Übergewicht satt ist, wer sich damit abgefunden hat übergewichtig zu sein, wer süchtig danach ist das Essen zwanghaft abzuwiegen, rationieren, wer es mit gesundem Essen nicht ganz so wichtig nimmt und wer einfach nur neugierig bezüglich dieses Themas ist. Das Buch enthält auch für Eltern ein Kapitel wie man Kindern das intuitive, natürliche Essen nicht abtrainiert, was leider die meisten Eltern heutzutage unbewusst doch tun.

Wer sportlich hohe Ziele hat, z.B. in Form von Bodybuilding, der wird mit diesem Buch nicht unbedingt bedient sein. Einen durchtrainierten Body wirst du mit intuitiv abnehmen nicht erhalten, dafür musst du intensiver den Sport verfolgen. Ich ernähre mich seit über einem Jahr intuitiv, aber die letzten 2,3 Kilo an Fettpölsterchen brauchen ein wenig mehr Push in Form von Sport oder weniger „Spaßessen“. Doch dank meines intuitiven – wieder angelernten – Instinkts, weiß ich wo meine Grenzen sind und kann auch öfters mal nein sagen ohne am Ende hungern zu müssen oder mich in der nächsten Fressattacke wiederzufinden.

Ich habe mir mehr praktischer Tipps von dem Buch erhofft. Besonders für Personen, die mit diesem Thema zum ersten Mal konfrontiert werden. Dennoch ist der Kern und der Ansatz des Buches sehr gut und verpasst einen Denkanstoß. Das ist nur meine Meinung und sollte nicht davon abhalten sich mit diesem Thema auseinander zu setzen.

Trotz des guten Ansatzes des Buchs,  darf man nicht vergessen, dass unsere Gesellschaft dahin gedriftet ist Kellogs zum Frühstück, Mittags Pommes und abends Brötchen mit Mett als „normal“ einzustufen. Diese Lebensmittel helfen langfristig nicht grad dabei ein gesundes Essverhalten, vor allem intuitives Essen zu entwickeln. Warum ich das so sehe: diese Lebensmittel enthalten teilweise suchbildende Stoffe, sind voll von künstlichen Geschmacksverstärkern oder extrem mit Salz, Fett und Zucker gedopt, damit sie nach irgendetwas schmecken und uns dazu verleiten noch mehr zu essen. In deinem Mund entsteht eine Aromaexplosion und wer kennt das nicht, einmal mit der Tüte Chips angefange, kannst du nicht mehr damit aufhören. Das passiert dir nicht, wenn du auf unverarbeitete pflanzliche Lebensmittel zurück greifst. In meiner Kategorie „Ernährungstipps“ findest du nähere Infos zu diesem Thema und Hilfestellung für ein gesundes Essverhalten.

 

P.S.: Falls du neugierig bist was mir geholfen hat mich wieder intuitiv zu ernähren, könnte dich der Artikel „Warum mich die vegane High Carb Ernährung gerettet hat“ interessieren. Das war mein erster Schritt in die Freiheit des Essens.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.