Minimalismus – Kleidung richtig verkaufen

Minimalismus - Kleidung richtig verkaufen

Seit fünf Jahren verkaufe ich meine Kleidung online und konnte so meine Lernkurve von Mal zu Mal optimieren. Einige Dinge lernt man erst mit der Erfahrung. Die wichtigsten Erfahrungen, die ich für mich gemacht habe, um noch besser, effektiver und effizienter zu verkaufen habe ich findest du hier:

Nr. 1 Qualität vor Quantität

Billig-Klamotten verkaufen sich nicht so gut, wie qualitative Kleidung. Der ganze Aufwand (Foto machen, einpacken, Fragen potentieller Käufer beantworten, zur Post gehen usw.) lohnt sich nur wenig bis gar nicht für den kleinen Preis, den man für das Kleidungsstück noch bekommt. Der Käufer erhält das gleiche oder ähnliche Teil für ein paar Euro mehr neu bei H&M, Primark und Co. Deswegen Finger weg von Billo-Mode. Für qualitativ hochwertige Sachen erhalte ich mindestens 50 % des Kaufpreises zurück und teilweise sogar noch bis zu 100 %.

Der Kunde sieht deinen Stil und ein Stil, der Qualität ganz weit vorne stehen hat lässt sich besonders gut verkaufen und lockt die Bienchen zu den Blümchen.

Nr. 2 Aufwand abwägen

Nach meiner Erfahrung lohnt es sich nur Teile zu verkaufen, für die man mind. 5 € erhält, z.B. Modeschmuck etc. Alle anderen Teile drunter verkauft man effektiver und schneller auf dem Flohmarkt.

Nr. 3 Der Kunde ist König

Das ist geläufig, aber es als Verkäufer IMMER in die Tat umzusetzen ist manchmal schwer. Vor allem, wenn man es mit unzuverlässigen, dreisten und frechen Kunden zu tun hat. Vor dem Bildschirm kann man gerne schreien und motzen, aber im Schriftverkehr sollte ein höflicher Ton herrschen. Der Käufer darf erst gar nicht die Chance erhalten sich beschweren zu können. Sei immer zuvorkommend, beantworte die 1000 dumme Frage. Wenn der Käufer ausfallend wird, einfach nett antworten. So ist das Spiel immer auf deiner Seite.

Nr. 4 Keine schlechten Bewertungen abgeben

Wie im vorherigen Punkt schon erwähnt: der Kunde ist König. Der Kunde mag es gar nicht eine schlechte Bewertung zu bekommen. Positive Bewertungen deinerseits, führen in der Regel zu positiven Bewertungen für dich. Bewerte den Kunden schlecht und sei dir sicher, es kommt eine schlechte zurück. Verständlich oder? Niemand will Schlechtes über sich hören. In ganz seltenen Fällen kann man eine Ausnahme machen, um andere Käufer zu schützen. Aber die Betonung liegt auf selten. Den Joker rate ich nur im äußersten Notfall zu ziehen. Im Zweifel wähle eine positive Bewertung.

Nr. 5 Preis höher ansetzen

Der Preis darf ruhig höher angesetzt werden, darf aber dennoch nicht völlig übertrieben und aus der Luft gegriffen sein. Kunden lieben es zu verhandeln und es verleiht ihnen ein Gefühl von Macht und Gewinn, wenn sie mit dir verhandeln können und das Teil meinen billiger zu bekommen als es tatsächlich ist. Wenn die nur wüssten: billige Psychologie, die seit eh und je meinen Rubel rollen lässt.

Ein höherer Preis wird in der Regel auch mit einer besserer Qualität gleichgesetzt. Sobald die Frage kommt, ob ich mit dem Preis noch runtergehen könnte, ist meine erste Antwort: den Versand übernehme ich. Oft reicht das schon aus und der Käufer ist glücklich. Man muss nicht sofort mit dem Preis runtergehen. Den Versand habe ich selbstverständlich mit im Preis inbegriffen und habe somit nichts verloren. Und manchmal hat man auch Glück trotz des höher angesetzten Preises Käufer zu finden, die auch diesen bezahlen.

Nr. 6 Schuhe und High End Makeup

Besonders hoher Beliebtheit erfreuen sich Schuhe. Verhältnismäßig erhalte ich für Schuhe mehr Geld als für Kleidungsstücke. Es liegt wahrscheinlich u.a. daran, dass Schuhe ein geringeres Risiko für den Käufer darbieten. Sie passen eher als beispielsweise eine Jeans.

Von High End Makeup besitze ich zwar nichts mehr dank Kleiderkreisel, aber das Zeug geht weg wie warme Semmel. Selbst uralte High End Lidschatten habe ich noch für 50 % des ursprünglichen Kaufpreises verkaufen können. Grab ruhig mal deine alte Schminktruhe wieder aus.

Nr. 7 Mottenfänger günstig verscherbeln

Es gibt manchmal Kleidungsstücke, die einfach nicht verkauft werden wollen. Normalerweise kann man ruhig ein paar Monate warten bis man das Kleidungsstück für den gewünschten Preis verkauft. Man muss nicht direkt das erstbeste Angebot annehmen. Halt die Käufer ruhig bei Laune, wenn du mehrere Anfragen zu einem Artikel hast. Mach dich rar und nicht leicht käuflich. Es gibt aber immer mal wieder Kleidung im eigenen Katalog, die seit Jahren drinnen ist. Da heißt es: schlag zu beim nächstbesten Angebot. Was weg ist, ist weg. Sei es nur für 5 Euro. 5 Euro haben oder nicht haben? Kleidung die herumliegt ist gebundenes Kapital.

Nr. 8 Zeitfenster festlegen

Lege pro Tag ein bestimmtes Zeitfenster für dich fest wo du Anfragen potentieller Käufer beantwortest, z.B. jeden Tag um 18 Uhr. Alles andere macht dich durch das aufspringen neuer Nachrichten auf dem Smartphone verrückt. So kann man schnell die Lust am Verkaufen verlieren. Es sei denn, du hast wie ich hin und wieder mal Langeweile während der Vorlesung. Da kann man gut und gerne mal sein Business pflegen 😉

Nr. 9 Angemessene Portokosten und Versandverpackung

Unversicherte Warensendung bei der Deutschen Post:

Alles was von der Größe und Gewicht in eine Warensendung passt, verschicke ich in Luftpolstertaschen unversichert als Warensendung mit der Deutschen Post. Der Vorteil dieser Sendung? Preiswert (zwischen 0,90 € und 2,35 €) und bis jetzt kam von meinen fast 300 verkauften Teilen keins weg.

Für Warensendungen nehme ich die größtmögliche Luftpolstertasche (G7), die noch als Warensendung bei der Post durchgeht. So habe ich für Kleinteil bis Pullover die gleiche Verpackungsgröße. Prozess- und Kostenoptimierung! Preiswerte Luftpolstertaschen für Warensendungen in der Größe G7 erhältst du 100 Stück für 15 € beispielsweise bei eBay. Achtung: bei der Post sind die Taschen nur zu Wucherpreisen erhältlich.

Hermes vs. Deutsche Post bei versicherten Sendungen:

Größere und schwerere Teile, wie z.B. Schuhe verschicke ich in der Regel versichert mit Hermes. Besonders für größere Teile, die nicht mehr als Warensendung durchgehen ist Hermes vergleichsweise günstiger als DHL. Viele Kiosks verschicken mittlerweile Hermespakete. Einfach mal Hermes PaketShop in deiner Nähe suchen.

Für versicherte Sendungen benutze ich alte Kartons, z.B. Schuhkartons oder Kartons von erhaltenen Online-Bestellungen. Diese sammle ich über eine Zeit und falls grad keiner zur Hand ist, einfach mal beim Schuhladen um die Ecke fragen. Ich versuche den kleinstmöglichen Karton zu nehmen, in den der verkaufte Artikel hineinpasst. Denn desto kleiner der Karton, desto günstiger die Sendung. Die richtige Größe kannst du bei Hermes ermitteln. Den Paketschein erstelle ich nur online, da er hier günstiger ist als im Shop selbst.

Den Paketschein erstelle ich hier. Dort findest du auch die Preise. Die meiste Kleidungsstücke lassen sich im Päckchen oder S-Paket versenden.

Nr. 10 Verkauften Artikel schnell verschicken

Sobald das Geld da ist oder die Kaufabwicklung über Kleiderkreisel, eBay etc. versichert ist, verschickst du den Artikel. Nicht vorher! Am besten noch am gleichen oder nächsten Tag. Keiner will lange auf seine Ware warten. Ein glücklicher Käufer gibt eher eine positive Bewertung und kauft eher wieder bei dir ein.

Nr. 11 Desto mehr positiver Bewertungen, desto besser

Desto mehr du verkaufst, desto mehr verkaufst du. Kleidung verkaufen kann manchmal anstrengend und mühsam sein. Nicht aufgeben und dran bleiben. Es lohnt sich. Wie mit allem: die Beständigkeit ist der Schlüssel. Zu Beginn meiner Sales-Bitch-Karriere hat es ewig gedauert bis ich ein System gefunden habe schnell Fotos von der Kleidung zu schießen, Kleidung richtig zu verkaufen, verpacken, etc. Mit den Monaten/Jahren habe ich meine eigene Routine entwickelt und das merken auch die Käufer. Vor allem die vielen positiven Bewertungen locken potentielle neue Käufer. Weiterhin sehen die Käufer anhand der Bewertungen wie seriös und zuverlässig du bist. Bei jemandem mit 150 positiven Bewertungen wird das gleiche Teil viel eher gekauft als bei einem Verkäufer mit zwei oder keiner Bewertung. Jeder fängt mal klein an mit nur einer Bewertung. Von nichts kommt nichts. Zeig deinen Käufern, dass du es Wert bist nochmals bei dir etwas zu kaufen.

Nr. 12 Detallierte Beschreibung

Beschreibung so detailliert wie möglich. So erpsarst du dir immer die gleichen Fragen der Käufer zu beantworten. Weiterhin wirkt es seriöser. Auch jeder noch so kleinste Makel muss erwähnt und auf dem Foto gezeigt werden. Der Käufer sieht spätestens bei Erhalt der Ware, falls gelogen wurde. Eine schlechte Bewertung ist garantiert.

Nr. 13 Die richtigen Fotos

Das versteht sich von alleine und erwähne ich nur nochmal der Vollständigkeit halber. Auf Plattformen wie Kleiderkreisel oder ebay gibt es genaue Anleitungen dafür. Du brauchst keine super Camera, wichtig ist die Kleidung in Szene zu setzen und dass man den Schnitt/Farbe so gut es geht auf dem Foto erkennt. Ein Mannequin für 30-40 € wäre eine Überlegung wert und eine gute Investition.

 

Dank dieser Prinzipien habe ich einiges an Geld zusammensparen können und parallel neue Sachen davon kaufen können. Eine Frage des Reichtums ist auch eine Frage wie man damit haushaltet. Früher habe ich wie irre jedes nächst beste Teil gekauft und mit den Jahren sammelte sich der ein oder andere Euro im Schrank an. Ich sags euch: Kleiderschränke können wahre Schatztruhen sein.

Mittlerweile habe ich meinen Stil gefunden und kaufe nicht jedes Teil nur weil etwas im Trend ist. Ich kaufe auch keine Teile, die ich schön finde, sie mir jedoch nicht stehen. Ich kaufe keine Sachen mehr nur weil sie billig sind. Qualität vor Quantität! Seit dem ich das so handhabe ist mein Kleiderschrank viel zu groß und auf ein fünftel der vorherigen Größe geschrumpft.

Als Minimalist kann man auf neue Kleidung verzichten, muss man aber nicht. Mit Köpfchen und nicht mit planlosen Impulskäufen bleibt man seiner Linie treu. Zwei, drei neue Key-Pieces im Jahr können einiges aus deinen alten Sachen rausholen.

Kommentare (4)

  1. Gute Tipps! Als selbest ein wenig erfahrene Online-Verkäuferin, würde ich noch hinzufügen: die richtige Saison wählen… Wintermäntel wird man im September eher los als im April 🙂

    • Danke 🙂
      Und danke für den Tipp. Das macht auf jeden Fall mehr Sinn manche Kleidungsstücke saisonal zu verkaufen.

  2. Hey Ju,

    vielen lieben Dank für diesen tollen Artikel. Welche Plattform würdest du denn empfehlen? Läuft Kleiderkreisel überhaupt noch? Ich war ewig nicht mehr dort, weil ich das Gefühl habe, man verkauft dort eh nichts mehr, da es so überlaufen ist? Und kostet es nicht mittlerweile auch etwas? Oder lieber Ebay oder sogar Ebay-Kleinanzeigen?

    Viele liebe Grüße und fühl dich geherzt. Du und dein Blog… Ihr seid fabelhaft <3

    • Hi Lins,
      gerne doch 😉 Kleiderkreisel lief mal besser, das stimmt schon. Allerdings finde ich es immer noch am besten. Ich kriege meine Sachen dort besser verkauft als bei eBay. Gut erhaltene Markensachen gehen meistens innerhalb ein paar Wochen weg. Alte Sachen bzw. nicht mehr aktuelle Mode gehen nicht so gut weg. Die verkauft man am besten auf einem Flohmarkt. Mit Kleiderkorb hab ich keine Erfahrung. Hab allerdings gehört, dass es wesentlich schlechter läuft als bei KK. Die guten alten KK Zeiten herrschen zwar nicht mehr, aber besser als nichts. Man zahlt mittlerweile 10 % an KK. Finde ich persönlich viel, aber das ist es mir wert, wenn ich überlege wie viel gebundenes Kapital in Klamotten steckt 😀
      Versuch es auch mal bei Shpock. Meine Freundin hat damit gute Erfahrungen gemacht.
      Lieben Dank für deinen fabelhaften Kommentar <3

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.