Salz – gesundheitsschädlich und Dickmacher?

Ist Salz gesundheitsschädlich und ein Dickmacher?

Salz, wir mögen es einfach. Auf dem äußeren, unteren Bereich unserer Zunge befinden sich Geschmacksnerven höchstpersönlich nur für Salz. Einerseits hört man immer wieder, dass zu viel Salz ungesund sei, anderseits ist unser ganzes Essen schlichtweg paniert mit Salz. Doch wie viel ist denn nun genug bzw. gesund? Schauen wir uns dazu zunächst einmal ein paar Fakten über Salz an.

Folgen von zu viel und zu wenig Salz

Wir sind physiologisch dazu geschaffen Salz zu suchen und zu essen. Wenn wir davon nicht genug haben, dann können sich unsere Cholesterin- und Triglycerinwerte erhöhen. Auf lange Sicht gesehen können unsere Blutgefäße verletzt werden und dadurch sogar mehr Herzattacken und Schlaganfälle herbeigerufen werden.
Das Verlangen nach Salz führt uns dazu lebenswichtige Mineralien zu konsumieren, eine davon ist Natrium, welches sich im Salz befindet.
Unser natürlicher Instinkt Salz in balance mit all den anderen gesunden Komponenten zu konsumieren funktionierte immer wunderbar, bis die Lebensmittel-Industrie clevere Wege gefunden hat unseren Instinkt gegen uns zu verwenden (McDougall, 2012, S. 176).
Fast alles an Salz was wir konsumieren – 80 % davon – ist in unserem Essen verarbeitet, statt es am Tisch hinzuzufügen. Das meiste Salz steckt im verarbeiteten Fleisch, Käse und abgepacktem Essen. Kein Wunder, hast du schon mal ein Stück Fleisch oder Wurst komplett ohne Salz gegessen? Es ist ungenießbar, aber irgendwie muss das Zeug ja an den Mann gehen, also spricht doch nichts dagegen mit diesem günstigen Speisesalz nachzuhelfen. Die Mettigels will ich sehen, wenn diese kein Gramm Salz mehr zu Gesicht bekommt.

Meine „Lieblings-Organisation“ die DGE empfiehlt 550 mg Natrium pro Tag, das macht 1397 g Salz. Also nicht mal von einem Teelöffel ist hier die Rede. 100 g Käse enthält ca. 500 g Natrium, Salami 510 g. Laut Kienappel nimmt der Durchschnittsbürger allein durch Brot, Fleisch, Käse, Fisch und herzhafte Snacks täglich 15 Gramm Salz zu sich (ohne Fertigprodukte oder das Selbstwürzen inbegriffen).
Du kannst dir also vorstellen, wie viel unnötiges Salz du am Tag zu dir nimmst.
Salz ist ein Geschmacksträger und regt uns dazu an noch mehr zu essen, mehr Wurst, mehr Käse, mehr Chipsfrisch Chakalaka. Es ist also nicht nur das böse Salz, was uns krank und dick macht, sondern fettige und tierische Lebensmittel.

Raffiniertes Kochsalz

In den meisten Lebensmittel wird heut zu Tage raffiniertes Kochsalz verwendet. Durch die industrielle Verarbeitung des Salzes werden alle Mineralstoffe entfernt und es bleibt nur noch das pure Natriumchlorid (NaCl) übrig. „Es kommt in isolierter Form in der Natur so nicht vor und ist für die Zellen und Organe giftig. Aus dem lebenswichtigen naturbelassenen Vollwertsalz wird durch die Raffinierung ein schädliches Konsumprodukt. 
5-7 Gramm raffiniertes Kochsalz kann unser Körper je nach Alter, Konstitution und Geschlecht über die Niere wieder ausscheiden. Bei 12 bis 20 Gramm der täglichem Kochsalzzufuhr – wie in Westeuropa üblich – bleiben daher Salzkristalle im Organismus übrig.
Nicht ausgeschiedene Natriumchlorid-Kristalle lagern sich in Zellen, Arterien, Venen, Blutgefäßen, in Gelenken und im Gewebe als Kristalle ab. Sie zeigen sich z.B. als kristallinen Ablagerungen an Gelenken (siehe Gicht), von Gefäßverengungen (z.B. Herzkranzgefäße, Herzinfarktneigung) oder Gefäßverschlüssen wie Thrombose- und Emboliegefahr (Lorber, 2015).

Und was die Cellulite angeht, wenn der Körper das durch Zellwasser isolierte Natriumchlorid im raffinierten Siede- und Kochsalz nicht ausreichend verdünnt und neutralisiert bzw. ausscheiden kann, legt er Depots dafür an und lagert sie als Schlackestoff ab. Es bilden sich übersäuerte Ödeme und Wassergewebe, der so allerseits geliebten Cellulite (Lorber, 2015).

Funktion Jod im Salz

Einige Ärzte raten Patenten mit einer Schilddrüsenerkrankung Jod-Salz zu konsumieren. Dem herkömmlichen raffinierten Salz aus dem Supermarkt wird das Jod künstlich hinzugefügt. Es ist kein Bestandteil des Salz-Moleküls und wird deshalb vom Körper nicht als Jod anerkannt. Somit hilft dieses Salz keinesfalls einen Jodmangel vorzubeugen. Ganz im Gegenteil, dieses Jod ist Gift für den Körper und kann Gehirnzellen angreifen. 
Natursalz enthält auch Jod, allerdings ist es im 84-Elementen-Molekül eingebaut. Im Gegensatz zu raffiniertem Jod unterstützt es den Körper.
Natriumchlorid wird also nur mit Jod angereichert, um es den Verbrauchern besser verkaufen zu können. Deutschland ist mit seinen zahlreichen Salz-Vorkommen alles andere als ein Jodmangel Gebiet (Kienappel, 2015)
Natürliche Jodquellen sind u. a. Algen. Mit nur einem halben Teelöffel Dulse am Tag, deckt man den kompletten Tagesbedarf an Jod. Es gibt auch mit Algen angereicherte Meersalze, die z.B. in Bioläden erhältlich sind.

Mögliche Wassereinlagerungen durch Salz und zu niedriger Natriumkonsum

Salz ist dafür bekannt Wasser im Körper einzulagern. Wassereinlagerungen unter der Haut können locker mal mit 3 kg zur Buche schlagen und sehen von außen aus wie Fett. Das Phänomen konnte ich beobachten als ich kein zusätzliches Salz gegessen habe. Ich habe in den ersten Wochen direkt 2 kg abgenommen. Über mehrere Monate hat sich mein Körper daran gewöhnt kein Salz zu essen. Wenn ich dann mal auswärts essen war, sah ich am nächsten Tag wie eine Brühwurst aus – mega aufgedunsen.
Was ist passiert? Mein Körper hat an diesem Salz festgehalten, weil er sonst nie etwas bekommen hat. Mein Aldosteron war sehr hoch. Es wird auch „Salzhormon“ genannt. Es steuert den Salzhaushalt im Körper und somit auch den Blutdruck. Produziert wird es in den Nebennieren und bewirkt, dass die Niere Natrium zurückhält und Kalium vermehrt ausscheidet. Dadurch erhöht sich das Flüssigkeitsvolumen in den Gefäßen, wodurch auch der Blutdruck steigt. Es reguliert auch die Ausscheidung von Natrium und damit auch den Salzhaushalt.

Manche Veganer, mit besonders hohem Obstanteil in ihrer Ernährung, berichten unter zu hohen Triglycerinwerte zu leiden. Da ist es ratsam zusätzlich ein wenig mehr Salz zu essen.
Nur weil du dein Soll an Natrium pro Tag voll hast (allein durch die Ernährung ohne zusätzliches Salz), bedeutet das nich, dass dein Körper auch tatsächlich diese Menge aufnimmt. Jeder Körper absorbiert Nährstoffe unterschiedlich und nimmt somit nicht immer die gleiche Menge auf wie Person XY, wir haben zwar den gleichen Körper, aber durch verschiedene Umstände, wie z.B. starke Medikamenteneinnahme in der Vergangenheit, kann es zu Unterschieden kommen.
Magnesium und Phosphor werden nicht gut absorbiert, wenn zu wenig Salz gegessen wird.
Weitherin sorgt Salz für eine gute Verdauung und hilft gegen einen Blähbauch.  Salz hilft bei der Produktion von Magensäure, was wiederrum wichtig für eine gute Verdauung ist. Chlorid, welches ebenfalls im Salz vorhanden ist, hilft dabei Hydrochlorothiazide zu formen, welche wichtig für eine gute Verdauung sind. Einerseits helfen sie die Nahrung zu verdauen und anderseits alle Mineralien zu absorbieren. Zu wenige von den Hydrochlorothiaziden können zu einer schlechten Verdauung und einem Blähbauch führen. Bist du schon lange high-carb unterwegs und hast dennoch eine träge Verdauung und/oder einen Blähbauch, dann könnte es helfen ein wenig Salz ins Essen zu geben.

Gehörst du zu den Personen, die immer kalte Füße und Hände haben und/oder unter einem niedrigen Blutdruck leiden, hilft es auch hier ein wenig den Salzkonsum zu erhöhen. Salz hat nämlich einen wärmenden Effekt.
Man würde es nicht meinen, aber Salz unterstütz die Hydration im Körper. Gerade Personen, die aus diversen Gründen eine erhöhte Schweißproduktion haben (viel Sport, Arbeit, etc.), können auch ein wenig mehr Salz essen.

Unsere Gesellschaft hat jedoch ganz andere Probleme als einen zu niedrigen Salzkonsum, nämlich einen zu hohen Salzkonsum wie ganz am Anfang schon beschrieben. Wir haben verlernt uns auf unsere Geschmacksnerven zu verlassen und sind geblendet von dem ganzen Salz. Es gibt kaum etwas, dass nicht mit Salz paniert ist. Hier ist es ratsam den Salzkonsum Stück für Stück zu reduzieren und den Geschmacksnerven Zeit geben sich wieder zu erholen.
Ich bin auch ein ehemaliger Salz-Junki und mein Essen habe ich grundsätzlich immer nachgesalzen ohne es überhaupt probiert zu haben. Ich habe es innerhalb von ein paar Wochen geschafft meinen Salz-Konsum stark zu reduzieren. Es ist ein völlig neues Geschmackserlebnis, welches ich erfahren durfte. Meine Geschmacksnerven sind quasi wieder jungfräulich unterwegs. Alles schmeckt plötzlich viel intensiver und befriedigender auch ohne einen Haufen von Salz. Ein bisschen Salz am Tisch reicht mir völlig aus.

Alternativen für einen „salzigen“ Geschmack

Falls du zu den Personen gehörst, die sehr viel Salz essen, wäre eine andere gute Alternative, um dein Essen „salziger“ schmecken zu lassen z.B. Würzhefeflocken oder reiner Zitronensaft. Ich habe zu Hause meistens ein paar Zitronen im Kühlschrank oder reinen Zitronensaft. Man kann sich das nicht vorstellen, da sie ja sauer und fruchtig schmecken, aber über herzhaftem Essen schmecken sie irgendwie anders als sonst und machen es „würzig“.
Dieser Tipp ist auch für Leute, die täglich locker auf ihre > 5 Gramm Salz am Tag kommen. Der Zitronensaft hat mir auch geholfen mein Salz zu reduzieren.

Wie viel Salz brauchen wir wirklich?

Du brauchst nur 50 Milligramm Natrium pro Tag, damit der Bedarf deines Basisstoffwechsels gedeckt wird.
Eine Ernährung, die auf Stärke, Gemüse und Obst basiert, ohne zugesetztes Natrium, enthält zwischen 200 bis 500 Milligramm, also ist kein Grund zur Sorge, dass du nicht genug kriegst, selbst bei keinem zusätzlich hinzugefügtem Salz im Essen nimmst du genug Natrium auf.
Allein Mais, Erbsen, Kartoffel und Reis haben schon jeweils 10 Milligramm Natrium auf 100 Kalorien (Dr. Mcdougall, 2012, S. 177).

McDougall, Autor der Starch Solution empfiehlt, das Salz übers Essen (am Tisch) zu rieseln, wenn du auf Salz nicht verzichten kannst. Das Salz berührt direkt die Geschmacksnerven deiner Zunge und ist so viel intensiver herauszuschmecken als es schon beim Kochvorgang ins Essen zu geben. Beim Kochvorgang wird es mit den anderen Zutaten vermischt und so geht ein großer Teil des salzigen Geschmacks schon währenddessen verloren. Im Endeffekt isst du dann mehr Salz als es deinen Geschmacksnerven eigentlich gereicht hätte.

Mein Umgang mit Salz und wie ich das mit dem Salzkonsum sehe

Ich empfehle dir auf unraffiniertes Salz zurückzugreifen, wie z.B. Sein- oder Meersalz, und Himalayasalz. Zur Info: Unraffiniertes Salz ist nicht schneeweiß und sieht „dreckiger“ aus.
Ich persönlich orientiere mich an keiner Zahl, sondern versuche meinen Salzkonsum niedrig-moderat zu halten. Ich esse immer noch weniger Salz als vor meiner Ernährungsumstellung, aber dennoch mehr als die Empfehlung mancher Ärtze, komplett auf Salz zu verzichten. Ich koche mein Essen immer ohne Salz und füge ein wenig Salz am Tisch hinzu, wenn es zu wenig Würze hat, z. B. bei Suppe.  Ich schmecke die Sachen viel intensiver als ich es vorher in meinem Salz-Junki dasein getan habe.

In der Szene der pflanzenbasierten Ernährung spalten sich da die Meinungen zum Thema Salz. Manche sind gegen einen zusätzlichen Salzkonsum, da genug Natrium  in der Nahrung enthalten ist. Zu Beginn dieser Ernährung habe ich das Thema Salz nicht näher erforscht und meinen Salzkonsum auch sehr niedrig gehalten. Ich habe kein zusätzliches Salz gegessen. Es gibt jedoch Studien, die zeigen dass Menschen am längsten leben, die einen moderaten Salzkonsum haben als die, die einen zu hohen oder zu niedrigen haben.
 Ich bin dennoch sehr froh, dass ich über mehrere Monate kein zusätzliches Salz gegessen habe, da ich durch dieses „Training“ meine Geschmacksnerven wieder sensibilisieren konnte.

Manchen geht es fantastisch, wenn sie kein zusätzliches Salz essen, aber wenn du unter den oben genannten Punkten leidest (z.B. dauernd kalte Hände, sehr niedriger Blutdruck, etc.), solltest du mal versuchen deinen Salzkonsum ein wenig zu steigern. ThisGirlAudra hat ein sehr interessantes Video zum Thema Salz.

Fakt ist, dass es mir viel besser damit geht, wenn ich es mit meinen Salzkonsum niedrig halte. Ich wache morgens viel „frischer“ auf und fühle mich auch fitter.

Literatur

McDougall, John, (2012), The Starch Solution, Rodale: New York

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V., 2015, Natrium, Kalium Chlorid abgerufen am: 10. Mai 2015 von https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/natrium-chlorid-kalium/

Lorber, J., 2015, Krank durch zu viel raffiniertes Speisesalz
und zu wenig naturbelassenes Salz abgerufen am: 10. Mai 2015 von  http://www.j-lorber.de/gesund/salz/salz-als-zellgift.htm

http://www.etikettenschwindel.info/html/salzrechner.php

Kienappel, M. 2015, Salz – Weißes Gold oder weißes Gift? abberufen am: 10. Mai 2015 von http://equapio.com/de/gesundheit/salz-und-natriumchlorid/

Kommentare (4)

  1. Hallo, ja es ist wirklich erschreckend, wie viel Salz sich in Lebensmitteln befindet, von denen man es gar nicht so vermutet. Ich selbst versuche schon sehr salzarm zu kochen, ist teilweise aber sehr schwierig, weil dann gesagt wird, ob das Essen überhaupt gesalzen ist. Spätestens dann steht der Salzstreuer auf dem Tisch… Sehr interessanter Beitrag. Vielen Dank dafür…lg, britti

    • Hi,
      das ist wohl wahr. Die meisten können nicht ohne und für diese Fälle gibt es, wie du schon sagst, den Salzstreuer 😉
      Und falls man mal für andere kocht, dann kann man für die Salzjunkies ausnahmsweise etwas mehr Salz nehmen 😀
      LG
      Ju

  2. Sehr interessanter, informativer Beitrag und angenehm ausgeglichen und nicht so hysterisch wie man es sonst aus der High Carb „Szene“ kennt. Finde mich in deinen Abwägungen absolut wieder. Mich würde interessieren, welche Menge Salz du als moderat erachtest, also an welcher Grammzahl du dich täglich versuchst zu orientieren.

    • Hi Mieke,
      anfangs habe ich mich auch schnell mitreisen lassen mit verschiedenen „Vorschriften“. Da ist ja auch einiges richtig in der „Szene“, aber man sollte doch auch auf die eigenen Befürnisse des Körpers schauen. Ich merke, dass es mir besser geht, wenn man Salzkonsum nicht gleich null ist. Ich koche beispielsweise Reis oder Karoffeln ohne Salz, aber tue dafür ein bisschen in die Sauce oder ins Gemüse. Wenn ich beim Essen merke ist mir persönlich noch zu fad, dann greife ich zum Salzstreuer. Ich weiß nicht genau wie viel Gramm das ist. Also mit Sicherheit mehr als viele High Carber essen, aber mit Sicherheit auch weniger als der normale Durschnittsbürger 😀 Also irgendwo in der Mitte befinde ich mich. Ich habe dadurch auch nicht zugenommen. Anfangs ein bisschen Wasser eingelagert, aber sobald der Körper sich nach ein paar Wochen daran gewöhnt hat, war es wieder weg. Selbst wenn es 1 kg dadruch mehr sein sollte. Das ist es mir wert. Ich merke das schnell, wenn ich dann doch mal zu viel habe, weil ich irgendwo auswärts essen war. Lebensmittel wie z.B. Brot was der „Durchschnittsbürger“ jeden Tag isst, da ist viel Salz drinnen. Allein das esse ich eher selten. Wenn man all die fertigen Lebensmittel selten isst und dann nur am Tisch nachsalzt oder ein bisschen in die Sauce packt, dann braucht man meines Erachtens keine Sorge haben zu viel Salz zu essen. Ich glaube da übertreiben es manche High Carber mit dem koplett Salz weglassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.