Soziale Konflikte als Veganer. Wie geht man damit um? (Teil 2)

Soziale Konflikte als Veganer. Wie geht man damit um?

Zum warm werden empfehle ich dir vorher Teil 1 zu lesen, falls du es nicht schon getan hast.

Nr. 2 Handhabung der Genervten/Irritierten

Das ist die kompliziertere Gruppe von beiden. Das sind Menschen, die uns nahe stehen – Familie, Freunde und der Partner. Diese Gruppe hat meistens nicht den Wunsch uns auf unserem gesunden Weg zu begleiten. Sie wollen uns evtl. sogar davon abbringen. Konflikte mit dieser Gruppe sind vorprogrammiert. Um diese jedoch zu vermeiden, sollten wir ihre Intention verstehen warum sie uns von unserem Weg versuchen abzubringen. Diese Gruppe ist verlegen, blamiert! Verlegenheit ist ein unangenehmes Gefühl und resultiert daraus, wenn eine Person an Status bzw. Respekt verliert.

In einem Umfeld wo ungesundes Essen und Getränke zum Alltag gehören, weiß jeder dieser Personengruppe was die Langzeitfolgen der Konsum dieser Lebensmittel ist. Deswegen ist die Möglichkeit den eigenen Status/Respekt zu verlieren ziemlich offensichtlich. Wenn du dich nun entscheidest den gesunden Weg zu gehen, während die anderen es nicht tun, wissen sie, dass du sie beobachtest und brichst damit ihre Integrität durch ihren Widerwillen Zurückhaltung zu üben. Weiterhin wissen sie, dass wenn du deine Integrität beibehältst, sie ihren Status verlieren. Und wenn sie diesen verlieren, verspüren sie Verlegenheit. Sie sind verletzt und darauffolgend irritiert. Dieser Ärger und Verletzlichkeit offenbart sich auf verschiedene Wege. Um ihren eigenen Status wieder zu pushen vergleichen sie sich mit dir. Kritik und Sarkasmus werden als Waffen eingesetzt. „Ach, komm schon. Ein Biss von dem Kuchen wird dich schon nicht töten“ oder „Ich hab das extra nur für dich gekocht“.

Ein Moment, den du wahrscheinlich nur allzu gut kennst und der wirklich nicht einfach zu handhaben ist ohne in einen Konflikt mit den geliebten Personen zu kommen.

Ein geeigneter Weg damit umzugehen ist ihnen zu zeigen, dass sie ihren Status/Respekt bei uns nicht verloren haben. Die Kernstrategie für die Genervten/Irritierten ist ihnen zu helfen ihr „Gesicht zu wahren“. Zunächst pushen wir ihren Status, in dem wir ihnen versichern, dass wir sie lieben und unser gewählter Lebensstil damit nichts zu tun hat. Weiterhin versichern wir ihnen, dass wir uns nicht als „besser“ halten, wegen unserer Disziplin. Aber Achtung, beide Strategien erfordern etwas Raffinesse (Lisle & Goldhammer, 2003, S. 104-105).

Taktik Nr. 1: Ausweitung des Zusammenhangs/Kontexts

Wenn diese Gruppe dir gegenüber, nach einem Gespräch, Nachsicht zeigt, dann bekunde deine Wertschätzung für sie in Bereichen, die nichts mit Gesundheit zu tun haben. Frage sie beispielsweise nach ihrer Meinung zu einem Thema wo sie mehr Wissen haben als du.

Alternativ kannst du deine Wertschätzung ihnen gegenüber auch anders zeigen. Beispielsweise für ihre Talente, Charakter, Kleidungsstil, etc. – es kann alles sein. Diese Strategie ist sicher, allerdings musst du dabei aufrichtig sein. Achtung, für diese Strategie musst du vorbereitet sein. Mach dir Gedanken auf welche potentiellen Genervte/Irritierte du triffst und denk dir ein paar ehrlich gemeinte Ego-Booster für diese Personen aus (Lisle & Goldhammer, 2003, S. 106).

Taktik Nr. 2: Integrität mit Demut

Vergiss nicht, deine Freunde und Familie sind verletzt, weil du ihre Zügellosigkeit eines ungesunden Essverhaltens beobachtet hast. Das Falsche wäre jetzt jedoch ihren sarkastischen Sätzen nachzugehen und doch noch ihr angebotenes Stück Kuchen zu essen. Wir brauchen einen Weg „nein“ zu ihren manipulativen Verlockungen zu sagen, ohne dabei gleichzeitig als „ich bin besser als du“ rüberzukommen.

 

Hier ein paar Beispiele:

Tante Susanne: „Ach, komm schon! Ich habe das extra nur für dich gekocht.“

Du: „Susi, danke, dass du an mich denkst, das sieht sehr lecker aus. Aber ich bin im Moment auf dem gesunden Weg und ich versuche ihn beizubehalten, weißt du.“

Oma Agate: „Probiere nur ein kleines Stück, das bisschen wird dich schon nicht töten“.

Du: „Du hast Recht. Ich bin grad allerdings ziemlich gut dabei auf Kurs zu bleiben und den will ich beibehalten. Ich habe nicht die größte Selbstkontrolle und wenn ich jetzt nachgebe, habe ich Probleme wieder auf den richtigen Kurs zuzusteuern. Mir geht es grad ziemlich gut, deswegen passe ich. Nur zu – es sieht lecker aus – und ich nehme etwas anderes.“

Mit dieser Taktik bekundest du, dass du wie jeder andere auch, mit Selbstkontrolle Probleme hast. Aber im Moment geht es dir gut und das willst du auch beibehalten.

Dieses Taktik zeigt, dass wir nicht mit herabgesetzten Blick auf sie schauen während sie nachgeben. Wir haben nämlich selber nachgegeben (Lisle & Goldhammer, 2003, S. 106-107). Ziemlich gerissen oder?;-)

All diese Taktiken erfordern Übung. Mit jedem Mal wird es einfacher. Jeder Veganer hat mit diesem sozialen Druck zu kämpfen. Gib nicht auf! Es ist „normal“ in unserer Gesellschaft tierische Produkte zu konsumieren. Das Fatale am „Normalen“, es wird unsichtbar und wird nicht mehr hinterfragt. Normal wird nicht als Problem angesehen. Doch was WIR als normal ansehen heißt noch lange nicht, dass es richtig ist. Deswegen brauchen wir Menschen, die nicht „normal“ denken und handeln.

„Wer ist weise und klug unter euch? Der zeige mit seinem guten Wandel seine Werke in Sanftmut und Weisheit“ (Jakobus 3, 13)

P.S.: Für mehr Informationen über dieses Thema kann ich das Buch „The Pleasure Trap“* wärmstens empfehlen. All die genannten Empfehlungen stammen aus diesem Buch. Einen kleinen Vorgeschmack erhälst du im Artikel „Alles in Maßen. Der Mythos der Mäßigung – The Pleasure Trap“.

 

Literatur

Lisle & Goldhammer, (2003), The Pleasure Trap – Mastering the Hidden Force that Undermindes Health & Happiness, Health Living Publications: Tennessee

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