Wie Magic Cleaning nach der KonMari-Methode mein Leben veränderte

Magic Cleaning nach der KonMari-Methode

Ich erinnere mich schmunzelnd an meine Pubertät zurück. Aufräumen habe ich gehasst und das verfolgte mich bis ins hohe Alter. Mein Vater meinte irgendwo fließe französisches Blut durch meine Adern, denn ich sei so schlampig wie die Französinnen. Die lassen ihre Sachen angeblich auch überall liegen. Seine Theorie, ich bezweifle dessen Glaubwürdigkeit. Im Vergleich zu Mutter war sein Unmut gegenüber meiner Unordentlichkeit harmlos.
Eines Tages kam ich nach Hause und Mutter reichte mir stolz ein von ihr, äußerst interessantes geschossenes Foto entgegen, in der Hoffnung ich würde in Scham versinken und mein Verhalten ändern. Doch das Gegenteil war der Fall. Ich hab herzlich gelacht über das Foto und in Anbetracht der Tatsache ihres sonst sparsam ausgeprägten Humors. Ich glaube, ihre Intention war es nicht witzig zu sein. Was war auf dem Foto zu sehen? Mein unschön, verwüstetes Zimmer (Untertreibung an dieser Stelle) und mit liebevoller Mühe, fein säuberlich ausgewählten Tanga-Collage (damals MUSSTE man Tangas tragen, sonst Oma), die sorgsam an der Deckenlampe hingen, um das restliche Chaos so richtig schön in Szene setzten.

Seit ein paar Jahren beschäftige ich mich Minimalismus. Es wurde viel entrümpelt und weniger gekauft, aber das reine Aufräumen zählte immer noch zu den Dingen, die ich wirklich hasste und meine Bude sah alles andere als minimalistich aus. Überall lagen Sachen rum. Wie eine französische Nachbarin immer zu pflegen hieß: „Das geht niiich, das geht niiich.“ Ich musste und wollte etwas ändern. Der KonMari Hype kam auch an mir nicht vorbei. Ich kaufte das Buch und begann noch am selben Abend mit dem Lesen. Die ersten Seiten packten mich. Ich fragte mich wie zum Henker ein Aufräum-Ratgeber das schafft. Auf jeden Fall war es schon spät, das Licht ging aus und ich konnte kein Auge zumachen. Zu neugierig und erpicht darauf war ich die Bude auseinander zu nehmen. Bis zwei Uhr nachts laß ich dann das Buch so gut wie zu Ende, um am nächsten morgen um 6 Uhr mit dem entrümpeln anzufangen. Das Ganze hielt bis 19 Uhr abends an.

Ich war so versessen darauf ohne jegliche Atempause, die ganze Wohnung auszumisten. Essen und trinken? No Need. Meine Mission an diesem Tag war die ganze Wohnung von Ballast zu befreien. Nun ja, was war passiert? Säcke, über Säcke häuften sich (siehe Foto). Es hörte gar nicht mehr auf. Wohlgemerkt habe ich vor nicht allzu langer Zeit schon haufenweise entrümpelt.

Ich hab so etwas noch nie erlebt, es war doch bloß ausmisten, aber das Adrenalin floss wie eine nicht versiegende Quelle durch meine Adern. Selbst Tage danach war noch genug Adrenalin vorhanden, um drei Lastwagen auf die Schulter zu hieven. Ich konnte tagelang nicht wirklich schlafen und war im permanenten Rausch.

KonMari-Methode

 

Das KonMari-Prinzip

Erstens: Entscheiden, ob eine Sache weggeworfen werden kann oder ob nicht. Zweitens: Falls sie nicht weggeworfen wird, einen festen Platz für sie bestimmen (Kondo, 2013, S. 31).

Weiterhin sind dafür zwei simple Handlungen nötig: 1. Dinge wegwerfen, und 2. den Aufbewahrungsort bestimmen für jene Dinge, die nicht weggeworfen werden (Kondo, 2013, S.40).

Das Wegwerfen kommt immer zuerst. Ohne jede Ausnahme. Immer (Kondo, 2013, S. 48). Jedes Ding, das Erfüllung bringt und uns glücklich macht, behalten wir, was keine Erfüllung bringt, werfen wir weg. (Kondo, 2013, S. 56)

Die Dinge, die uns glücklich machen bekommen 1. Einen festen Platz, 2. Werden sie immer dorthin zurückgebracht.

Nicht mehr und nicht weniger. So einfach, dass es an Genialität grenzt.

Übrigens, Aufbewahrungssysteme sind sinnlos. Warum? Weil das Verstauen nicht mehr ist als eine schnelle Lösung nach dem Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn.“

Marie Kondo beschreibt genau wie man einzelne Kategorien (Bücher, Kleidung, Kleinkram usw.) ausmistet. Vor allem ihre Falttechnik für Textilien ist unschlagbar. Schau hier, spart viel Platz und Zeit.

Die gute, kleine, süße und sanftmütige Marie Kondo hat dem Aufräumen ihrem Leben verschrieben und zu ihrem Beruf gemacht. Sie nimmt dich mit in eine andere Welt des Aufräumens, das nichts anderes tun kann als dich zu fesseln. Man hat plötzlich das Verlangen aufzuräumen. Jetzt!

Die Autorin schafft es mit einer bescheidenen Leichtigkeit gegen sonst jede aufgeschwatzte Aufräumnorm (von Mama und sonstigen Ratgebern) zu brechen und den Leser in eine neue Welt eintauchen zu lassen.

Die Prinzipien sind für Jedermann, ob Mann, Frau oder Kind, spielendleicht umzusetzen. Alles was du dafür brauchst, hast du zu Hause. Es werden keine exotischen Verstaukisten, Organizer etc. benötigt.

Ich könnte mich noch Stunden über dieses geistreiche Buch auslassen, aber diesen Spaß will ich dir nicht vorweg nehmen. You have to read it!

 

Mit ein paar geistreichen Passagen aus dem Buch will ich dich zurücklassen

„Die Unordnung im Zimmer entspricht der Unordnung im Herzen (Kondo, 2013, S. 33).“

„ Wenn wir andere Menschen permanent dafür kritisieren, dass sie nicht aufräumen, ist dies oft ein Zeichen, dass mit unserer eigenen Ordnung etwas nicht stimmt (Kondo, 2013, S. 68).“

„Das Aufräumen ist wie eine Inventur ihrer Persönlichkeit (Kondo, 2013, S. 194).“

 

Zehn Euro und ein paar Stündchen Lesezeit haben mir so viele Tausende Aufräumstunden für die Zukunft erspart. Und noch viel wichtiger, unheimliches Glück und Freunde hinterlassen. Ich fühle mich so viel wohler in den eigenen vier Wänden.

Das Glückgefühl halt immer noch nach. Selbst Tage später werde ich noch auf meine glückliche Ausstrahlung angesprochen. KonMari, ist meine Antwort und deine Lösung nie wieder Stunden um Stunden fürs Aufräumen zu verschwenden.

Worauf wartest du noch? Lesen und los geht’s ans Werk!

 

P.S.: Ein-Personen-Haushalte kommen beim Ausmisten in der Regel auf über 40 Säcke von je 45 Litern. Zwei-Personen-Haushalte auf ungefähr 70. Der Rekord liegt bei 200 Säcken von einem Ehepaar verursacht (Kondo, 2013. S. 202). Wie viele sind es bei dir geworden? Wer stellt hier den Rekord auf? Lass es uns in den Kommentaren wissen.

 

Literatur

Kondo, (2013), Magic Cleaning: Wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert, Rowohlt Taschenbuch Verlag: Hamburg

Kommentare (2)

  1. Liebe Ju!

    Ich bin schon wahnsinnig gespannt auf dieses Buch! Bei deiner Rezension musste ich gerade an mehreren Stellen wieder einmal breit grinsen – ich glaube, einen ähnlichen Effekt werde ich beim Lesen ebenfalls bei mir beobachten, obwohl ich auch schon seit einer Weile aussortiere und minimalisiere. Zu Beginn gab es viele groß angelegte Aufräumaktionen, mittlerweile dauerhaftes Ausmisten. Aber ich denke, das Buch wird mir noch einmal einen Schub verpassen (ich bekomme es im Zuge eines Buchtausches zugeschickt).
    Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den frischen Aussortier-Wind! 🙂

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Hi Jenni,
      berichte unbedingt mal wie es dir danach ergangen ist beim Ausmisten und vor allem wie viele Kartons/Säcke es geworden sind 😀
      Liebe Grüße und viel Adrenalin wünsche ich dir 🙂
      Ju

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